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Meine Spieluhr-App und die Sache mit den Musikrechten

09. Oktober 2026Apple & Mobile, KI
Michael prüft mit einer Lupe ein Lizenzdokument, daneben eine offene Spieluhr mit Schäfchen und ein kleiner Roboter mit Kopfhörern

Bei Wiegenliedern habe ich immer das Gefühl, sie gehören allen. «Frère Jacques» hat mir niemand verkauft, ich konnte es einfach irgendwann. Mit genau diesem Gefühl bin ich an die Musik für meine Spieluhr-App gegangen. Das hätte mich fast in eine Lizenzfalle laufen lassen.

Worum es bei der App geht

Die Spieluhr-App ist bewusst einfach. Es gibt neun Filztiere. Du tippst eines an, und es spielt ein Wiegenlied im Klang einer Spieluhr. Gedacht ist sie als Einschlafmusik fürs Baby. Mehr muss sie nicht können.

Mein erster Plan war zu bequem

Auf einer Plattform für Stockmusik fand ich Spieluhr-Aufnahmen, die perfekt gepasst hätten. Lizenz lösen, Dateien rein, erledigt. So dachte ich.

Erst als ich die Bedingungen genau gelesen habe, wurde klar: So geht das nicht. Die Aufnahmen waren als Untermalung erlaubt, also unter einem Video, in einem Podcast oder als Hintergrund in einem Spiel. Sie einzeln und unverändert abzuspielen, war ausgeschlossen. Genau das macht eine Spieluhr aber.

Ich kann die Plattform verstehen. Wenn meine App die Stücke pur abspielt, ist sie im Grunde ein Abspielgerät für fremde Aufnahmen. Das würde ich an ihrer Stelle auch nicht erlauben.

Melodie und Aufnahme sind zwei verschiedene Dinge

Im Nachhinein klingt die Lektion banal. Die Melodie eines alten Kinderlieds ist frei, sobald der Schutz abgelaufen ist. In der Schweiz erlischt der Urheberrechtsschutz 70 Jahre nach dem Tod der Person, die das Werk geschaffen hat. Eine Aufnahme ist aber etwas Eigenes. Wer ein Lied einspielt, hat an dieser Darbietung eigene Rechte, im Gesetz heissen sie verwandte Schutzrechte. Auch die laufen 70 Jahre. Dazu kommen je nachdem Rechte am Arrangement.

Ich wusste das im Prinzip. Ich hatte es nur nie auf mein eigenes Projekt übertragen.

Wie ich es gelöst habe

Die App ist zu grossen Teilen mit KI entstanden, ich nutze sie beim Programmieren als Sparringpartner. Also lag die Frage nahe, ob das auch bei der Musik geht. Ich habe die alten Melodien von einer KI als neue Spieluhr-Stücke erzeugen lassen. In der App stecken jetzt keine fremden Aufnahmen mehr, sondern neue Versionen von Liedern, die niemandem mehr gehören.

Das Ergebnis hat mich überrascht. Es klingt so, wie ich mir eine Spieluhr vorstelle. Vor ein paar Jahren hätte ich dafür jemanden beauftragen oder selbst stundenlang am Keyboard sitzen müssen.

Was ich anderen raten würde

  • Lies die Lizenz, bevor du dich in eine Aufnahme verliebst, und nicht erst, wenn sie schon eingebaut ist.
  • Frag dich früh, ob die Musik Beilage ist oder das Produkt selbst. Bei einer Spieluhr ist sie das Produkt, und genau diesen Fall schliessen manche Lizenzen aus.
  • Auch bei KI-Musik lohnt sich ein Blick in die Nutzungsbedingungen des jeweiligen Tools. Die unterscheiden sich je nach Anbieter.
  • Notier dir, woher jedes Stück kommt. Falls je jemand fragt, hast du die Antwort sofort.

Dasselbe gilt übrigens bei Websites. Auch dort ist ein Bild oder ein Musikstück schnell eingebaut, und der Blick ins Kleingedruckte lohnt sich genauso.

Die Geschichte habe ich zuerst etwas kürzer auf Salzwerk aufgeschrieben: Kinderlieder sind gemeinfrei. Die Aufnahmen nicht. Die App mit den neun Filztieren findest du auf spieluhr.app.

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