BMW blendet beim Losfahren Werbung ins Cockpit ein

Wer in Deutschland gerade einen neueren BMW startet, sieht vor Karte und Radio erst einmal ein Werbebanner. Beworben wird ein Kinofilm, in dem der neue iX3 mitspielt. Tippst du drauf, kommt eine Vollbild-Animation mit Musik, dazu passend die Ambientebeleuchtung im Innenraum.
Die Aktion läuft vom 27. Juli bis zum 10. August 2026 und erscheint bei jeder Inbetriebnahme, nicht nur einmal. Betroffen sind Fahrzeuge mit BMW Operating System 7, 8, 8.5, 9 oder X und einem Produktionsdatum nach Juli 2020. BMW selber nennt das in der Mitteilung «eine besondere Überraschung für seine Kundinnen und Kunden».
Die Schweiz ist nicht dabei
Zuerst war von über 70 Ländern die Rede, inzwischen korrigiert BMW auf 34 Märkte. Deutschland gehört dazu, die Schweiz nicht. Bei uns bleibt der Bildschirm also leer. Angeschaut habe ich mir den Fall trotzdem, weil die Begründung interessanter ist als das Banner.
«Keine klassische Werbung»
Ende 2023 hat BMW-Manager Stephan Durach gegenüber der US-Publikation MediaPost gesagt, das Auto sei der letzte private Raum, den man noch habe. Den Bildschirm für Werbung zu verkaufen, sehe er nicht. Auf Nachfrage von heise autos heisst es jetzt, ein Sinneswandel sei das nicht: Die Animation solle Begeisterung für den neuen iX3 wecken und sei kein Filmtrailer, insofern auch keine klassische Werbung. Werbung werde im Fahrzeug weiterhin nicht angezeigt.
Dieses Umbenennen kenne ich aus dem Web. Das Pop-up heisst Layer, und wo die Einwilligung fehlt, steht plötzlich «berechtigtes Interesse». An der Sache ändert das nichts. Ein Banner, das ungefragt aufgeht und für ein Produkt wirbt, ist Werbung. Auch dann, wenn das beworbene Produkt das eigene Auto ist.
Stören würde mich der fehlende Schalter
Gegen Werbung an sich habe ich nichts. 2012 habe ich hier sogar eine Aktion von Media Markt Schweiz gelobt, bei der Empfehlungen den Tagespreis gedrückt haben. Das war clever gemacht, und vor allem konnte man mitmachen oder es bleiben lassen.
Diese Wahl gibt es hier nicht. Das Banner erscheint auf einem Bildschirm, der dem Fahrer gehört, und abschalten lässt es sich nicht. Fairerweise: Nach 15 Tagen ist Schluss, wegtippen kann man es, und während der Fahrt läuft kein Video. Ein Skandal ist das nicht. Nur steht die Technik dafür jetzt in Millionen Autos, und BMW meldet aus früheren Aktionen viel positives Feedback.
Mein Fazit
Vor Kurzem habe ich darüber geschrieben, wie man Kurzvideos auf dem iPhone wieder loswird. Da ging es um denselben Punkt: Wem gehört eigentlich der Bildschirm, auf den du gerade schaust? Beim Handy diskutieren wir das seit Jahren. Beim Auto fängt es gerade erst an, und dort hat man für das Gerät ein Vielfaches bezahlt.
Bei Vokabu, meiner Englisch-App, habe ich mich bewusst gegen Konto und Abo entschieden, und das ist eine App, die nichts kostet. Bei einem Auto in dieser Preisklasse würde ich erst recht erwarten, dass mir das Display gehört und nicht der Marketingabteilung.
Nachgefragt und aufgeschrieben hat den Fall heise autos.
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