Serif AI ausprobiert – und Lust bekommen, es selber zu bauen

Über ein Video von Blog With Ben bin ich auf Serif AI gestossen: einen KI-Assistenten, der direkt im Posteingang arbeitet. Er sortiert Mails in Kategorien, entwirft Antworten in deiner Stimme, schlägt Termine vor und merkt sich in einer Wissensdatenbank, wie dein Geschäft funktioniert. Der Walkthrough zeigt das Schritt für Schritt, und ich habe es mir danach selber eingerichtet.
Was Serif AI macht
Nach dem Verbinden des Postfachs legt Serif Labels an und räumt auf: Newsletter, Rechnungen, Anfragen, Dinge, die eine Antwort brauchen. Bei Letzteren liegt beim Öffnen bereits ein Entwurf bereit, auf Wunsch in mehreren Varianten. Ton und Verhalten lassen sich einstellen, genauso wie der Umgang mit Follow-ups. Dazu kommen Kalender- und Terminfunktionen mit eigenen Vorlieben («Meetings nur nachmittags») und sogenannte Playbooks: wiederkehrende Abläufe, die das Tool aus deinen Mails lernt oder die du von Hand hinterlegst.
Das Erstaunliche ist nicht eine einzelne Funktion, sondern wie unspektakulär sich das Ganze anfühlt. Eingerichtet ist es in wenigen Minuten, danach arbeitet es einfach im Hintergrund. Genau so stelle ich mir Assistenz vor: kein weiteres Dashboard, sondern weniger offene Mails am Abend.
Warum ich es trotzdem wieder weglege
Nicht, weil es schlecht wäre. Sondern weil mir beim Zuschauen aufgefallen ist, dass hier lauter Bausteine verbaut sind, die mir längst zur Verfügung stehen: Mails lesen, klassifizieren, Entwürfe schreiben, Termine abgleichen, Wissen ablegen. Ich lasse mir täglich von Claude helfen, und mit Claude Code kann ich solche Abläufe inzwischen selber zusammenstecken.
Bevor ich also ein Abo für den fertigen Assistenten löse, will ich wissen, wie weit ich selber komme. Labels, Antwortentwürfe, ein Playbook für die immer gleichen Anfragen: Stück für Stück, genau auf meinen Alltag zugeschnitten statt auf den Durchschnittskunden. Vermutlich wird es weniger poliert als Serif. Dafür verstehe ich am Schluss jeden Teil davon, und das Gebastel zwingt mich, meine eigenen Abläufe einmal sauber aufzuschreiben. Das allein ist die Übung wert.
Der eigentliche Wert solcher Tools
Auch wenn ich Serif vorerst nicht weiterverwende: Solche Tools sind für mich die beste Werbung dafür, KI ernsthaft in die eigene Arbeit einzubauen. Sie zeigen konkret, was heute schon zuverlässig funktioniert, und legen die Latte, an der ich mein Selbstgebautes messen kann. Vor ein paar Jahren hätte ich für so einen Assistenten eine Firma gegründet, heute ist er ein Wochenendprojekt mit offenem Ausgang.
Was ich damit hinkriege, und wo ich am Ende vielleicht doch wieder beim fertigen Tool lande, schreibe ich hier auf.
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