Warum ich Kundenseiten trotz KI weiter mit WordPress baue

«WordPress is dead.» «Warum braucht es überhaupt noch Webentwickler?» Solche Kommentare sammeln sich bei WPTuts unter den Videos, bis er ein eigenes daraus gemacht hat: Is WordPress Dead? My Honest Take on AI vs WordPress. Die Frage stellen mir inzwischen auch Kunden, darum hier meine eigene Antwort.
Sympathisch finde ich, dass er nicht ausweicht. Auf «Kann KI WordPress ersetzen?» sagt er sinngemäss: wahrscheinlich schon. Sein Einwand ist nicht, dass die Modelle es nicht hinkriegen, sondern die Frage, wozu man für jedes Projekt das Rad neu erfinden soll. Das deckt sich mit meiner Erfahrung. Ich lasse mir täglich von KI helfen, und wie weit das inzwischen trägt, habe ich beim UI-Test mit Claude Fable 5 gesehen. Am Können liegt es nicht mehr.
Bauen ist der einfache Teil
Das Problem fängt danach an. Unter einer Webseite bewegt sich dauernd etwas: Der Hoster hebt die PHP-Version an, Stripe ändert sein Protokoll, PayPal den Checkout, ein Browser wirft eine alte Technik raus. Bei WordPress aktualisierst du das Plugin und bist wieder online. Hast du dir die Seite bauen lassen, ziehst du selber nach, und zwar dann, wenn etwas kaputt ist, nicht wenn du gerade Zeit hast.
Das habe ich früh am eigenen Code gelernt. Als Teenager habe ich ein Gästebuch-Script in PHP geschrieben. In den Release-Notes steht bei fast jeder Version derselbe Punkt: Sicherheitsfehler behoben. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, und ab dem Tag war jede Installation da draussen ein offenes Scheunentor. Sorry an alle, die das Ding damals eingebaut haben.
Eine Seite oder dreissig
Bei ein, zwei Projekten ist das verkraftbar, da gebe ich ihm recht. In der Agentur sieht die Rechnung anders aus. Wird morgen eine Lücke in einem verbreiteten Plugin bekannt, weiss ich innerhalb von Minuten, welche Kunden betroffen sind, und spiele das Update ein. Bei dreissig einzeln generierten Seiten hätte ich dreissig Sonderfälle mit eigenem Code, den niemand mehr im Kopf hat. Auch das Modell nicht, das ihn geschrieben hat.
Die dreissig kommen ja nicht von ungefähr. Genau weil das Bauen schneller geht, entstehen mehr Seiten. Er lässt das als offene Frage stehen, und ich habe ehrlich gesagt auch keine saubere Antwort darauf.
Wartungsfrei ist WordPress deswegen nicht
Damit das nicht zu rosig klingt: «Du aktualisierst einfach das Plugin» ist leichter gesagt als getan. Die Sicherheitsprobleme, die ich in den letzten Jahren aufgeräumt habe, kamen fast nie aus dem WordPress-Core, sondern aus irgendeinem Plugin, das seit zwei Jahren niemand mehr anfasst. Und ein Update kann dir durchaus das Layout zerlegen. Arbeit fällt also an. Sie ist einfach vorhersehbar, und ich mache sie für viele Seiten auf die gleiche Art.
Wo ich stehe
Klar dazwischen. Eine statische Seite ohne Login und ohne Kasse lasse ich mir heute mit KI bauen, das geht schneller. Sobald aber jemand anderes als ich Inhalte pflegen soll oder Geld über die Seite läuft, nehme ich WordPress. Der Grund ist unromantisch: Ich weiss, wer das Ding pflegt, wenn ich drei Wochen weg bin.
PS: Alte Seiten wieder in einen sauberen Zustand bringen und dort halten, ist bei uns fast ein eigener Job geworden. Wartung und Hosting machen wir bei flink think für Kunden aus der Region Basel.
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